Unsere Mission

Wir leben in einer Gesellschaft, in der man nach drei Klicks sein Essen bis an  die Wohnungstür geliefert bekommt. Evolutionär betrachtet scheinen wir es also geschafft zu haben. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist aber weit höher als die 8 Euro für die Pizza:

“Ich hab Rücken” – sagt gefühlt jeder Mensch über zwanzig. 

Das mag etwas verallgemeinert und zynisch wirken, soll aber nur die folgende Tatsache ausdrücken: Der Komfort, den wir uns in der westlichen Welt hart erkämpft haben, hat fatale Auswirkungen auf unseren Körper und damit unsere Lebensqualität. Das ist nur logisch, wenn man bedenkt, dass es die Komplexität des menschlichen Körper und Geistes ist, die uns evolutionär zu dem gemacht hat, was wir sind. Es mag eine andere Diskussion sein, ob wir geistig noch genug gefordert werden, aber es trifft auf jeden Fall für das Problem unserer Körper zu:

Wir bewegen uns nicht mehr so vielseitig und komplex wie es unsere Vorfahren mussten und die Auswirkungen unseres Lebensstils kann man hervorragend bei der Entwicklung von Kindern beobachten.

Wir haben die Verbindung zu unseren eigenen Körpern verloren. Bewegung ist nicht mehr Teil unseres Alltags, sondern allenfalls noch ein Konsumprodukt für das wir eine Stunde ins Fitnessstudio fahren. Statt uns zu bewegen beim Einkäufe tragen und Kochen sitzen wir da und warten auf unser Essen, um das dann mit Rückenschmerzen und verspanntem Nacken vor dem Fernseher zu achtlos herunter zu schlingen.

WARUM KENNEN WIR UNSEREN KÖRPER NICHT MEHR?

Unser Wissen um den menschlichen Körper wird immer umfassender und detaillierter. Für jedes körperliche Symptom gibt es einen Spezialisten, der unser Problem vermeintlich besser einschätzen kann als wir selbst. Aber viele körperliche Symptome haben vielschichtige Ursachen. Und die Verantwortung für unseren Körper als Gesamtheit kann uns keiner dieser Spezialisten abnehmen – auch wenn unser Gesundheitssystem zusammen mit der gesamtgesellschaftlichen Tendenz, die Übernahme jeglicher Verantwortung zu meiden, dies suggerieren mag. Beispielhaft für diese Denk- und Lebensweise ist auch, dass “Bewegung” mit “Sport” gleichgesetzt wird. Sport machen wir zwei Mal die Woche von 16-18 Uhr um uns – vermeintlich – fit zu halten. Was unser Körper aber wirklich braucht, ist komplexe Bewegung. Doch komplexe Bewegung ist in unserem Alltag meist nicht mehr vorhanden.

Beobachtet man Kinder beim Spielen und Erforschen ihrer Umwelt, so sieht man sie krabbeln, kriechen, klettern und hüpfen. In einem kurzen Zeitraum üben sie viele unterschiedliche Bewegungsmuster. Diese Vielseitigkeit tut Körper und Geist gut, denn: Was nicht gebraucht wird, wird abgebaut. Das gilt für Muskeln ebenso wie für neuronale Netze und deren Verbindung untereinander. Wenn wir den ganzen Tag Sitzen –  am Steuer, vorm Computer oder Fernseher – passt sich unser Bewegungsapparat an diese Haltung an, wodurch sich zwangsläufig die Beweglichkeit u.a. der Wirbelsäule verringert. 

Et voilá: Wir haben Rücken.

WARUM VIELSEITIGE BEWEGUNG?

Was wir brauchen, ist Bewegung á la Kindergarten: Vielseitig, überall und mit Spaß dabei werden Grenzen und Möglichkeiten spielerisch austestet und erweitert. Und das nicht drei Mal die Woche für zwei Stunden, sondern im Alltag: Ein Kind bewegt sich auch nicht nur im Gym, es macht Vorwärtsrollen auf der Couch und krabbelt unter dem Tisch. Genauso können wir bei der Arbeit mal hocken statt zu sitzen, in der Warteschlange oder an der Haltestelle auf einem Bein balancieren oder beim Kochen versuchen mit Zwiebeln zu jonglieren. So wird der Körper mit immer neuen Reizen gefordert, die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt gelenkt und wir bleiben mental fit.

Das ist einer unserer Ansätze – spielerisches Bewegen. Wir arbeiten bewusst nur wenig mit festen Vorgaben wie “3 Sätze á 12 Wiederholungen”. Stattdessen wirst du bei uns (Bewegungs-)Aufgaben bekommen, die Du kreativ lösen darfst. Zum Beispiel das Schuhe An/Ausziehen auf nur einem Bein. Allein durch die Natur der Aufgabe lernst du dabei enorm viel über dein Körpergefühl und es macht Spaß, sich gegenseitig dabei zuzusehen und immer wieder andere Wege zu finden, die Schuhe an/auszuziehen.

WER SAGT, DASS SPIELEN NUR WAS FÜR KINDER IST?

 

In der Biologie spricht man von Lernen, wenn ein Tier sein Verhalten im Anbetracht einer neuen, ungewohnten Situation anpasst – es hat “dazugelernt”. In unserer Gesellschaft konzentriert sich das Lernen auf die Schul- und Ausbildungszeit. Spätestens danach findet eine Spezialisierung statt:  Wir lernen eine eng umschriebene Fertigkeit oder arbeiten in einem eng umgrenzten Bereich und verbessern uns – wenn überhaupt – in diesem kleinen Spezialgebiet den Rest unseres (Berufs-)Lebens. In einigen Bereichen mag das augenscheinlich Sinn machen: eine Herzchirurgin muss auf ihrem Gebiet absolute Präzisionsleistungen erbringen. Doch auch für sie gilt: Ohne kontinuierliche Weiterbildung macht sie morgen Medizin von gestern. Und ohne Flexibilität kann sie Komplikationen während der OP nicht begegnen. Wenn wir uns nur auf den immer gleichen, vorgegebenen Pfaden bewegen und in festen Bahnen denken, geben wir Gehirn und Körper keinen Anlass mehr, Neues zu lernen. Wir schalten auf Autopilot und Energiesparmodus. Das Fatale daran: Wir können nicht nicht lernen. Und wenn wir nichts Neues mehr lernen, lernen wir eben, dass wir nichts Neues mehr lernen. Und nur die Abläufe benötigen, wie wir Tag ein, Tag aus, abspielen. Was wir nicht benutzen, brauchen wir nicht. Was wir nicht brauchen, bildet sich zurück und die Beweglichkeit von Körper und Geist nimmt immer weiter ab. Statt in den Stand-By-Modus zu verfallen, wollen wir deswegen lieber im Play-Modus bleiben. 

So wie Kinder wollen wir uns immer wieder kleine Herausforderungen suchen, um das Lernen nicht zu verlernen und geistig und körperlich flexibel zu bleiben. Wenn wir lernen ernsthaft zu spielen, ohne durch Herausforderungen in Stress zu geraten , dann hilft uns diese spielerische Herangehensweise auch in anderen Stresssituationen. Denn am Ende ist es doch das, was unser Erleben als Menschen ausmacht: die Bewußtheit unseres Handelns und die größtmögliche Entscheidungsfreiheit über selbiges – oder zumindest die Möglichkeit dazu.

KANN BEWEGUNG UNS IM ALLTAG HELFEN?

 

Probleme als spielerische Herausforderung anzusehen und kreativ zu lösen ohne in Stress zu geraten (weil man vor einer neuen Situation ohne vorgegebenen Lösungsweg steht) ist Teil unserer Movement Praktik. Deshalb ist Movement auch immer eine Praxis des Lebens –  denn letztendlich bedeutet Movement-Training zu lernen, mit neuen, ungewohnten Situationen und Aufgaben umgehen zu können und handlungsfähig zu bleiben. Auch wenn es erstmal nicht offensichtlich scheint, dass auf einem Bein stehend die Schuhe zuzuschnüren dich aufs Leben vorbereitet. Aber was muss man können, um so eine Aufgabe zu bewältigen? Realistische Selbsteinschätzung, Geduld, Entwicklung von Lösungsstrategien und Durchhaltevermögen sind Eigenschaften, die uns auch außerhalb der Movement-Praktik von weitreichendem Nutzen sind.

WIR ALS GEMEINNÜTZIGER VEREIN

 

Wir betrachten Bewegung auf der Metaebene als einen Baum: Wir wollen sicherstellen, dass wir die Grundlagen, d.h. den Stamm und die Wurzeln erkennen und verstehen bevor wir uns den Ästen und Blättern widmen. Denn sonst gibt es nichts, woran wir uns festhalten können.

Indem wir das Lernen lernen, schulen wir unsere Fähigkeit einmal gelernte Prinzipien auf unzählige neue Gebiete zu übertragen. Als ehemaliger Schüler von Ido Portal entwickelte unser Gründer Manuel Werling das MOVISION-Konzept, um Bewegung zu lehren. Basierend auf seiner langen Erfahrung in vielen verschiedenen Disziplinen und angelehnt an die Systematik der vier Elemente (Wasser, Erde, Feuer, Luft), die in vielen traditionellen östlichen Praktiken zu finden sind, erfahren und erforschen wir Bewegung in unterschiedlichsten Qualitäten. Im geleiteten Vereinstraining, das dreimal wöchentlich in Kreuzberg stattfindet, kann jede*r mit uns lernen. Außerdem bieten wir Masterclasses und Privattraining – von Experten aus verschiedensten Bewegungsgebieten. Unser Haus in Lichtenrade ist ein geschützter Raum, in dem wir das Lernen lernen – ausgehend vom Bereich der Bewegung. Wir bieten jedem Menschen eine Unterkunft, der von und mit uns lernen möchte.

GENERALISMUS DURCH KOLLEKTIVWISSEN

 

Wir wollen Menschen die Freiheit geben, selbstbewusst in ihrem eigenen Körper zu leben. Unsere Art zu leben, mit unserem Körper umzugehen und Bewegung zu kultivieren, möchten wir auch anderen Menschen eröffnen. Wenn Du Deinen Körper freier bewegen kannst – auch oder gerade trotz etwaiger körperlicher Einschränkungen und, in konventioneller Denkweise, “Behinderungen” – kannst du auch insgesamt freier leben.

Wir sind einfach Menschen, die akzeptieren, dass sie Menschen sind: Nicht perfekt, nicht allwissend, aber lern- und anpassungsfähig. Wir sind keine Gurus, die vorgeben die Welt zu verstehen. Wir haben nur einen Erfahrungsschatz, der sich aus unterschiedlichsten Professionen zusammensetzt und den wir gerne teilen möchten. Wir helfen uns gegenseitig und wir helfen anderen. Statt sofort zum Spezialisten zu rennen und ihm oder ihr die Verantwortung zur Lösung unseres Problems zu übertragen, nutzen und bieten wir zunächst in unserer eigenen Gruppe ein großes Kollektivwissen – sei es Kampf, Parkour, Tanz, Physiotherapie, Fotografie oder auch Marketing. Deshalb hat jedes Mitglied in unserem Verein nicht nur Zugang zu Personal Training, sondern bspw. auch zu Unterstützung bei der Erstellung professioneller Fotos & Videos oder auch im Marketing – und lernt auch in diesen Bereichen dazu. Und wer möchte kann sich wiederum selbst mit den eigenen Talenten einbringen.

In der heutigen Gesellschaft wird Spezialisierung als der einzige und beste Weg angesehen, um wirklich gut und erfolgreich zu sein. Über einen langen Zeitraum schien das sinnvoll – durch Arbeitsteilung und Spezialisierung konnte sich der Mensch von Gruppen aus “Jägern und Sammlern” zu einer hochkomplexen Gesellschaft miteinander interagierender Individuen entwickeln. Doch auf sich allein gestellt wäre jede*r von uns mit den damaligen Anforderungen Jäger und Sammler überfordert. Wir wollen von der spezialistischen Gesellschaft zurück zu Generalistentum und Gemeinschaft. Wir wollen das Spiel in der Arbeit finden und die Bewegung im Sport.

Wir lernen voneinander, und ja, auch von Spezialisten. Das Gelernte umsetzen und in unseren Alltag integrieren können wir nur selbst – das kann uns kein Spezialist und auch sonst niemand abnehmen. Diese Eigenverantwortlichkeit gibt uns Freiheit, wo andere für die Abgabe der Verantwortung teures Geld bezahlen.

WER KANN MITMACHEN

 

Manuel Werling hat den Verein gegründet, weil er sich keiner Gruppe zugehörig fühlte. Als frei und kritisch denkender Mensch, der immer wieder neue Sachen lernen, Denkweisen hinterfragen und andere Fertigkeiten trainieren will, ist es fast unmöglich einen Anker in der Gesellschaft zu finden und eine Halt gebende Gemeinschaft. Deshalb hat er kurzerhand selbst einen Anker ausgeworfen und eine Gruppe gegründet, in der nun all jene Anschluss finden können, die ähnlich denken und fühlen wie er. Alle, die immer neugierig sind und sich weiterentwickeln wollen, finden hier Gleichgesinnte. Und nein, Du musst nicht “fit” oder “sportlich” sein. Es zählen nur der Wille und die Bereitschaft sich körperlich und mental zu bewegen – Herkunft, Alter, Religion und Politik sind völlig irrelevant. Was nicht bedeutet, dass wir uns mit diesen Dingen nicht auseinandersetzen und darüber nicht geredet wird. Aber gerade durch offene Kommunikation schaffen wir einen neutralen Raum für jede*n. Ob du die Welt durch eine spirituelle Brille siehst und Auren spürst, oder deine Welt aus verschiedenen Variablen, Wahrscheinlichkeiten und logischen Zusammenhängen besteht: Für uns sind diese verschiedenen Blickwinkel und persönlichen Hintergründe eine weitere Möglichkeit, um voneinander zu lernen und uns selbst, unsere Einstellungen und unsere Umwelt besser zu verstehen. Eine breit gefächerte Gruppe bietet Komplexität und diese Vielseitigkeit ist wiederum unser bestes Training.