Einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf Stuntman gibt es in Deutschland nicht. Stuntman wirst du über jahrelanges Training in Kampfsport, Akrobatik, Fallen und Filmkampf, über ein Team, das dich mitnimmt, und über die ersten kleinen Jobs am Set. Eine Stuntschule kann dabei helfen, nötig ist sie nicht.

Manuel Werling, Stuntman und Gründer des MOVISION Stunt Teams Berlin
Manuel Werling, Gründer des MOVISION Stunt Teams

Wie das in der Praxis läuft, erzählt Manuel Werling. Er leitet das MOVISION Stunt Team in Berlin, ist Stunt-Koordinator, Kampfchoreograf und Stuntman und gehörte zum Stunt-Ensemble von The Matrix Resurrections, das für einen Screen Actors Guild Award nominiert war.

Wie Manuel Werling Stuntman geworden ist

Manuel hat seit seiner Kindheit Kampfkunst gemacht. Ans Set kam er nicht über eine Bewerbung, sondern über die Kampfkunst selbst: Für ein Hollywood-Projekt wurden Stunt-Komparsen gesucht, und die Produktion ist durch die Kampfkunstschulen gegangen und hat sich Leute ausgesucht, die zum gesuchten Typ passten.

Danach hat er mit verschiedenen Stuntteams trainiert und geschaut, wo er reinpasst. Richtig gepasst hat es nirgends, also hat er sein eigenes Team gegründet. Bis dahin war es ein langer Weg:

„Ich habe ungefähr 15 Jahre Kampfkunst betrieben, bis ich das erste Mal am Set war.“

Brauchst du eine Stuntschule?

Nein, aber sie ist ein möglicher Weg. Manuel hält viel von Stuntschulen, sieht Deutschland da aber noch nicht weit. Eine eigene Stuntschule zu gründen, ist eins seiner Ziele. Bis dahin gilt:

„Beide Wege führen zum Ziel. Du kannst definitiv auch ohne Stuntschule starten, mit einem Team oder erst einmal allein, und von Leuten lernen, die schon lange im Business sind.“

Beide Wege werden gebraucht, sagt Manuel, weil sie zu unterschiedlichen Menschen führen:

  • Performer kommen ans Set, liefern ihre Szene sauber ab und machen genau das ihr Leben lang.
  • Koordinatoren zeigen am Set mehr Eigeninitiative, übernehmen Verantwortung, gründen irgendwann ein eigenes Team oder eine Schule.

Welcher Typ du bist, merkst du meist erst mit der Zeit. Für beide gilt: Du lernst am meisten von Leuten, die selbst am Set arbeiten.

Was du können musst, bevor du ans Set kommst

Bevor Manuel jemanden einer Produktion empfiehlt, schaut er auf deutlich mehr als Technik:

  • Bewegung: Du musst dich gut bewegen können, mit Grundlagen in Kampf, Akrobatik und Parkour.
  • Kamera: keine Scheu, vor der Kamera zu stehen.
  • Set-Etikette: wissen, wie man sich am Set verhält, wer was sagt und wann du still bist.
  • Waffenhandling: sicherer Umgang mit Waffen in einer Szene.
  • Respekt vor Feuer und Höhe: keine Angst, aber gesunder Respekt.
  • Haltung: zuhören, funktionieren, professionell sein.

Der letzte Punkt ist der, an dem viele scheitern:

„Nicht unbedingt der Draufgänger sein, der die ganze Zeit im Mittelpunkt stehen möchte, weil das am Set eher nervt. Sondern seine Arbeit machen, hören, funktionieren und professionell sein.“

Welche Disziplinen solltest du zuerst lernen?

Eine feste Reihenfolge gibt es nicht. Manuel selbst kommt vom Kämpfen, rät aber zu etwas anderem: so breit wie möglich trainieren, und zwar alles gleichzeitig. Nicht ein Jahr Kampfsport, dann aufhören und mit Parkour weitermachen, sondern dauerhaft von allem ein bisschen.

„Am Set kann alles passieren. Du sollst auf einmal kämpfen können, rollen, Parkour, mit einer Handfeuerwaffe oder einem Gewehr umgehen, klettern. Du musst alles irgendwie können.“

Darum reicht Kampfsport allein auch nicht. Im Ring willst du treffen, im Film arbeitest du mit deinem Partner zusammen, damit der Kampf für die Kamera echt aussieht und sich niemand verletzt. Rollen, Fallen, Reaktionen und Choreografie sind ein eigenes Handwerk. Genau das trainierst du im Film Fight.

Dein Weg zum Stuntman bei MOVISION in Berlin

MOVISION ist keine Stuntschule, sondern ein Stuntteam mit eigenem Dojo, der Fight Cave in Berlin-Mariendorf. Und dieses Team nimmt Einsteiger auf:

„Jetzt sind wir ein Team, und dieses Team ist offen für jeden, auch wenn viele denken, das sei es nicht. Da hat jeder eine Chance. Jeder kann kommen und es probieren.“

So sieht der Weg bei uns aus:

  1. Film Fight am Mittwoch. Hier fängst du an: jeden Mittwoch von 17:00 bis 20:15 Uhr, zwei Einheiten zu 90 Minuten, Vorerfahrung brauchst du nicht. Dein erstes Training ist kostenlos.
  2. Mehr als einmal die Woche. Wer ein paar Mal da war und mehr will, trainiert zusätzlich in unseren Kampfsportkursen und kommt samstags von 17:00 bis 22:00 Uhr zum Open Mat, dem offenen Training. Mit einer Mitgliedschaft ab 60 € im Monat ist Open Mat inklusive.
  3. PRO-Training mit dem Team. Wer länger dabei ist und ernsthaft Richtung Film will, kann nach Absprache zu den Pro-Zeiten wechseln, montags bis freitags ab 20:30 Uhr. Dort trainiert das Stunt Team zusammen und tauscht sich aus.
  4. Dranbleiben. Ab hier entscheidet vor allem eins: ob du lange genug dabei bleibst, bis der erste Job kommt.

Bei welchen Produktionen das Team schon vor der Kamera stand, von John Wick: Kapitel 4 über Uncharted bis Die Tribute von Panem, steht unter Referenzen.

Ab welchem Alter kannst du Stuntman werden?

Eine feste Grenze gibt es nicht, in keine Richtung. Am Set werden Kinder gebraucht, Manuels Sohn hat schon mit etwa acht Jahren Stunts für Filme gemacht. Und am anderen Ende gilt:

„Man kann auch nicht zu spät anfangen. Es werden auch ältere Leute gebraucht. Es ist sehr offen.“

Je früher du anfängst, desto mehr Zeit hast du, Bewegungserfahrung zu sammeln. Wer später kommt und schon Kampfsport, Turnen oder Bühnenerfahrung mitbringt, kann darauf aufbauen.

Der häufigste Fehler von Einsteigern

Den Beruf zu unterschätzen. Viele entscheiden sich, Stuntman zu werden, und rechnen damit, im nächsten Monat davon zu leben.

„Das dauert. Du musst sehr viel Zeit, sehr viel harte Arbeit, sehr viel Verletzung, sehr viel Risiko mitbringen, bis irgendwann die Chance kommt, dass du dich am Set beweisen kannst.“

Und wenn diese Chance kommt, zählt sie doppelt. Die Stuntszene ist klein: Wer am Set unzuverlässig ist oder den Clown spielt, über den weiß es die ganze Branche sofort. Wer dagegen professionell arbeitet, wird wieder gefragt.

Häufige Fragen

Gibt es eine Ausbildung zum Stuntman in Deutschland?

Einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf gibt es nicht. Es gibt private Stuntschulen und Lehrgänge, die meisten Stuntleute lernen aber über jahrelanges Training und in einem Team, das sie ans Set mitnimmt.

Stuntschule oder Stuntteam: Was ist besser?

Beide Wege funktionieren. Wichtig ist, dass du von Leuten lernst, die selbst am Set arbeiten, und dass du Kontakt zu einem Team bekommst. Darüber laufen die meisten ersten Jobs.

Wie lange dauert es, Stuntman zu werden?

Das ist sehr unterschiedlich und dauert in der Regel Jahre. Manuel Werling hat rund 15 Jahre Kampfkunst gemacht, bevor er zum ersten Mal am Set stand. Wer schon Kampfsport oder Akrobatik mitbringt, hat einen Vorsprung.

Bietet MOVISION einen Stuntman-Workshop an?

Unser Einstieg ist das Film-Fight-Training jeden Mittwoch von 17:00 bis 20:15 Uhr in Berlin-Mariendorf. Das erste Training ist kostenlos. Ein Wochenendseminar ist in Planung.

Kann ich mit 30 oder 40 noch Stuntman werden?

Ja. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht, am Set werden Menschen jeden Alters gebraucht. Entscheidend sind Training, Geduld und Professionalität.

Komm zum Film Fight

Der erste Schritt ist ein Mittwochabend in der Fight Cave, Großbeerenstraße 2-10, Haus 4, 12107 Berlin. Dein erstes Training ist kostenlos. Schreib uns vorher kurz per WhatsApp, dann weiß Andy, dass du kommst. Wenn du Fragen zu Kindern im Training hast, frag einfach mit.

Mehr über Manuel und seine Arbeit findest du in seinem Profil.