Konferenz Urban Sport & Health

Konferenz Urban Sport & Health

MOVISION bei “Urban Sport & Health”

Unsere Eindrücke der Konferenz

Am 19./20. November nahmen wir mit dem “Netzwerk Urbaner Sport Berlin” an der Konferenz Urban Sport & Health in Berlin teil. Gemeinsam mit anderen Anbietern aus dem Bereich “Sportgruppen im öffentlichen Raum” haben wir unseren Verein präsentiert.

Besonders möchten wir an dieser Stelle Robin von “Stadtbewegung” danken, der uns die Teilnahme ermöglichte.

Ziel der Konferenz war es einer Lösung näher zu kommen, wie die Förderung von Sport, Bewegung und Gesundheit in der digitalisierten Stadt umzusetzen ist.

Vertreten waren diverse Mitglieder der Senatsverwaltung sowie Vorstände, Verbände, Stiftungen, kommerzielle und gemeinnützige Anbieter.

Der Dresscode war schick – wir stachen in unserer Sportkleidung deutlich hervor. Hatten wir das Thema falsch interpretiert? Auch die Comedyshow zum Abschluss des Tages hatte nichts mit Bewegung zutun, sodass uns die Konferenz insgesamt eher irritierte.

Ali hat als einziger ein bisschen Bewegung ins Spiel gebracht:

Video von Ali auf der Konferenz

(Anmerkung: Als wir die freie Fläche für ein paar Handstand-Übungen genutzt haben, wurden wir gebeten, dies woanders zu machen – da wir die Abendgäste “stören” würden.)

Teil des Programms waren, neben verschiedenen Vorträgen zu Bewegungsthemen, auch einzelne Sessions, die bestimmte Probleme diskutieren und zu lösen versuchten. Ali und ich unterhielten uns sowohl mit Anbietern als auch mit einigen Rednern und führten dabei viele interessante Gespräche. Interessant war ein Gespräch, das ich im Nachhinein mit einer Freundin aus einem Turnverein hatte. Sie bemerkte, dass die diskutierten Probleme sich in den letzten 10 Jahren kaum geändert hätten.

“Schwitzen im Park” begeistert Hunderte

Wir trafen unter Anderem auf Stoyan von “Schwitzen im Park”. Stoyan führt eine Initiative in Berlin, die mehrmals pro Woche Outdoor-Workouts in Parks anbietet. Diese bietet er kostenlos an und betreibt sein Projekt rein ehrenamtlich, ohne jegliche Förderung. Sein Ziel ist es solche Menschen von Bewegung zu begeistern, die sich sonst kaum körperlich betätigen. Alle Trainer, die an dem Projekt mitwirken, verkörpern absolute Leidenschaft und Spaß an Bewegung. Dies scheint Wirkung zu zeigen, denn so nehmen häufig über 100 Menschen an den Trainingseinheiten im Park teil!

Mit einer finanziellen Unterstützung würde Stoyan lediglich seine Trainer fortbilden, nicht aber bezahlen. Was er möchte, ist ein Training aus Leidenschaft – nicht für Geld. Und hier frage ich mich: Vielleicht ist gerade diese Leidenschaft das, was den Verbänden und Turnvereinen fehlt?!

Befriedigen Sportvereine die Bedürfnisse der Gesellschaft?

Im Verlauf der Konferenz nahmen wir an der Session “Sportentwicklung” von Michaela Röhrbein (DTB-Generalsekretärin) und Friedhard Teufel (Direktor des Landessportbunds Berlin) teil. Hier ging es darum, ob Sportvereine ihr Angebot an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten können. Insbesondere sollte diskutiert werden, warum die Generation 40+ zu wenig Sport treibt und wie diese zu einer Anmeldung im Turnverein bewegt werden könnte. Allgemeiner Konsens war letztlich, dass feste Strukturen der Vereinsverbände zwar auch Vorteile darstellen mögen – allgemein aber das Klischee der verstaubten Turnhalle verstärken. Von daher scheint es nur logisch, dass neue und frische Konzepte mehr Erfolg haben, als die altbewährten Strukturen.

Geht es wirklich darum BEWEGUNG zu fördern?

Turnvereine sind Institutionen, mit festen Locations und etablierten Strukturen. Das hat natürlich viele Vorteile. Im letzten Jahrzehnt scheinen jedoch die neuen Modelle mehr Erfolg zu haben. Sodass man sich meiner Meinung darum bemühen sollte, den Grund dafür zu finden, um die aktuelle Situation verbessern zu können. Leider schien es auf der Konferenz jedoch nicht darum zu gehen, Bewegung an sich zu fördern. Uns schien es, als würden vor allem ausgewählte Projekte und Institutionen gefördert werden sollen: Nämlich solche, die in die richtigen Schubladen passen und so Teil des veralteten Systems sein können.

Neue Projekte, wie Schwitzen im Park oder MOVISION, die hingegen in der Lage sind hunderte von Menschen zu begeistern – selbst die, die sich sonst kaum bewegen, fanden wenig Beachtung. So mangelt es diesen Projekten letztlich weiterhin an Unterstützung von Politik und Stiftungen.

Das Location-Teilnehmer-Paradox

Während wir in den Wintermonaten verzweifelt auf der Suche nach Locations sind, stehen diverse Turnhallen leer, da es zu wenig Nutzer gibt. Ein Paradox, wo doch die Turnvereine ebenso verzweifelt auf der Suche nach Übungsleitern sind – möglichst mit einem gewissen Coolness-Faktor. Und nur um dies nochmal aufzudröseln: Unsere Trainer begeistern viele Teilnehmer verschiedenster Altersgruppen – auch die, die sonst nicht ins Fitness-Studio gehen. Wir verfügen jedoch nicht über die notwendige Location. Aus diesem Grund, haben wir uns sehr gefreut zu hören, dass Turnhallen in Zukunft auch externen Anbietern geöffnet werden sollen. Ein milder Trost und kleiner positvier Ausblick auf zukünftige Saisons.

Wer oder was soll wirklich unterstützt werden?

Was uns erschrak: Auf der Konferenz hat uns niemand gefragt, wie Organisationen und Gruppierungen, wie unsere unterstützt oder gefördert werden könnten. Stoyan, Kopf und Muskel hinter “Schwitzen im Park”, war außerdem enttäuscht darüber, dass er keinen Redeplatz erhielt. Auch wir hatten daran zu knabbern. Was uns jedoch noch mehr frustrierte, war, dass uns kein Raum für Fragen oder Kritik eingeräumt wurde. Es wirkte beinahe so, als wollten die Redner aus den verschiedenen Vorständen keine Ratschläge aus der Praxis erhalten. Wir hätten gern geholfen und auch anderen Anbietern Tipps gegeben!

Die ernüchternde Schlussfolgerung für uns ist demzufolge: Statt neuen, unkonventionellen Anbietern unter die Arme zu greifen, die tatsächlich Erfolg haben und Menschen von Bewegung und Sport begeistern, ging es auf der Konferenz vornehmlich darum, alte Vereine und kommerzielle Projekte zu unterstützen. Anstatt mit Sportlern zu sprechen, die direkt aus der Praxis kommen, wurde über Statistiken und wissenschaftliche Belege diskutiert. Politiker und Vorstände haben viel geredet, doch wirkt es im Nachhinein beinahe, wie eine Farce und viel heiße Luft. Echte Kritik wurde wenig bis garnicht geäußert, weil jeder auch selbst erleichtert war, als Redner keiner echten Kritik ausgesetzt sein zu müssen. Kommerzielle Anbieter konnten sich freuen, indem sie ihr Image durch die Teilnahme an der Konferenz verbessern konnten. Gemeinnützigen Anbietern, wie uns, wurde hingegen wenig bis gar nicht die Möglichkeit geboten sich aktiv einzubringen.

Abschließend lässt sich sagen: Wir haben sehr viel mitnehmen können und sind von daher dankbar für den Einblick in politische Entscheidungsgewalten.

Eine große Frage hat sich uns jedoch eingebrannt:

Wie sollen Menschen, die sich selbst nicht leidenschaftlich gern bewegen und sich stattdessen in Zahlen und großen Reden verlieren, in der Lage sein mehr Menschen von Sport begeistern?

Kann das wirklich funktionieren?

Und ist so auf Dauer die Situation der Verbände und Vereine zu verbessern?

3 thoughts on “Konferenz Urban Sport & Health”

  1. Guter Artikel! Ich denke, dass bei solchen Messen wichtig ist zu verstehen mit welcher “Sprache” und welchen Regeln und Normen die Politker ihre Projekte beschreiben um Anklang zu bekommen. Eventuell muss man wissenschaftlich argumentieren oder die Wortwahl anpassen. Letzlich sind das Menschen aus einer komplett anderen Welt, oder? Die können bestimmt nicht nachempfinden was Ali meint, wenn er von Bewegung redet. Die haben bestimmt ein komplett anderes Bild vor dem inneren Auge. Wie kann man da kommunizieren um zu denen durchzukommen?

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