Home Forum 🐒 Movement Movement im "Alter"?

7 Teilnehmer
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  • #11259
    Moritz
    Teilnehmer
    @moritzs

    Was glaubt ihr, wieso sich hauptsächlich jüngere Personen von der Movement-Culture angezogen fühlen?

    1. Ist es eine Generationsfrage? Wir sind die erste Generation, die Movement für sich entdeckt hat & mit unserem Heranwachsen wird sich auch der Altersschnitt verschieben?

    2. Ist es eine mentale Offenheit gegenüber dem Unbekannten, eine Entdeckungslust, die meist nurnoch jüngere Leute in sich tragen?

    3. Liegt es vielleicht an der Natur des Movement Trainings selber? So wie kaum ältere Menschen Crossfit betreiben oder Fußball spielen, passt es vielleicht nicht zu einem alternden Körper mit natürlich wachsenden Limitationen?

    4. Ist es vielleicht einfach eine Frage des “Marketings”? Werden die älternen Menschen mit der Botschaft des Movement vielleicht garnicht erst erreicht?

    5. Ist es vielleicht alles Quatsch & nur ein availability bias? Ältere Personen bewegen sich statistisch betrachtet einfach weniger als Jüngere und dadurch entsteht vlt. der falsche Eindruck, dass Movement keine/ kaum ältere Menschen anzieht?

    Ich bin gespannt auf eurer Meinungen! :heart:

    #11262
    Clara Lohmann
    Keymaster
    @clarnastic

    Puh. Wieso fragst du? Also ich würde sagen, dass ältere Menschen weniger im Internet, Fitness-Studios oder an den Calisthenics-Parks chilln. Die gehen (so wie ich das mitbekomme) dann eher zum kieser training oder aqua fitness, also angebote, die sich sehr gezielt an ältere Menschen richten. Aber da inzwischen ja auch mehr und mehr Yoga für sich entdecken, wird das im Movement denk ich auch noch kommen. 🙂

    #11266
    Oscar Boerger
    Teilnehmer
    @totoschkar

    Hi Moritz,

    bitte beachte, dass nicht jeder ein Mover ist, der sich so nennt. Genauso gut anders herum gibt es bestimmt viele (auch ältere) menschen, die eine “movement culture” haben, aber noch nie etwas davon gehört haben.
    Zum Beispiel Zirkus, oder menschen im Kontemporären Tanz. Auch im Martial arts bereich gibt es ältere Menschen die sich gut bewegen können.

    Deine Frage kann man aber auch anders beantworten: Warum ist es teilweise so schwer, gerade Menchen ab 40 für Movement zu begeistern?
    Punkt 1,2 und 4 ergeben da für mich sinn.
    Punkt 3 hingegen nicht: Gerade Eltern oder berufstätige ab 30 sollten sich vielseitig und viel bewegen und freude daran haben, es ist enorm wichtig.
    Außerdem denke ich, dass diese Gruppe sich schon so lange nciht mehr bewegt, dass sie die Connection verlieren, den Bezug zu ihrem eigenen Körper. Wie soll man die ansprechen? Nciht so leicht, wie einen 17 jährigen Flummi- bo/ girl.

    Also zusammengefasst: Es gibt bestimmt einige Menschen die sich trotz einiger jahre auf dem Buckel gut bewegen. Mencshen für “Movement” zu gewinnen, ist in der alterskategorie aufgrund der genannten Punkte schwerer als Junge

    Lg Oscar

    #11418
    Anonym

    Da Oscar ab 40 als “Alter” bezeichnet 😉 , wage ich Alte mich mal zu Wort.

    Bei denen, die nicht sowieso ihr Leben lang Sport gemacht haben, sehe ich in meiner Altersgruppe viel Resignation (wir haben zahllose Fitnesstrends kommen und gehen gesehen und letzlich fit gemacht hat nix).

    Und dann ist da das Unwissen. Die meisten sind kaum im Internetoder gar in socialmedia oder youtube unterwegs und stolpern so auch nicht über die nötigen Stichworte. Und wenn, dann sieht man junge Menschen krasse Dinge machen und denkt, das ist Akrobatik und nix für mich. Ich bin auch nur durch Zufall drauf gekommen. Meine Generation bewegt sich zwischen Krankengymnastik, Midlifecrisis und erster Lesebrille. Und dann stell dich mal vor deine alten Freunde, denen Ärzte gerade zu einer künstlichen Hüfte raten, und erkläre denen glaubhaft, daß du vorhast, deine Baustellen jetzt durch Bewegung wieder hin zu kriegen. Die halten dich für bekloppt! Und ich glaube es mir ja selber noch nicht. Ich habe schon viel erreicht (vor 2 Jahren, mit 50 angefangen), aber es ist ein tränenreicher Prozess, gepflastert von Rückschlägen und Zweifeln. Man braucht viel Beharrlichkeit und Freiraum, den viele, eingebunden in familiäre und berufliche Pflichten, nicht haben.

    #11421
    Astrid
    Teilnehmer
    @julei

    Hallo ihr,ich stimme voll der Caro zu. Ich bin auch so ein Alte. Auch vor ca 2 Jahren wieder begonnen,mich zu bewegen,mit meinem Körper zu arbeiten. Und Arbeit ist das,das kann ich euch sagen . Die meiste Arbeit ist,nicht auf die Blicke meiner Freunde zu schauen,weil die mich für bekloppt halten einen handstand zu üben,bewegungen wie beim bei der improvisieren zu versuchen. Keiner in meiner Altersklasse will mitmachen. Viel sind bequem und der Arzt, ja der Arzt hat ja auch gesagt: nicht knien,nicht die Arme über schulter Höhe, nicht bücken und immer schön den rücken schonen sowie trainieren. (hä!?)
    was anderes bei mir ist ich habe angst einiges zu machen u.a. weil ich auch zu schlapp bin,trotz Kieser training.
    Ach so noch was es gibt Leute in meiner Generation, die können schlecht Kontraste erkennen. Ich z.B. Ich kann so gut wie nichts erkennen. Bitte schreibt doch alles in dicker schrift uns auch nicht in bunt,so wie früher

    #11541
    Hendrik Zuber
    Teilnehmer
    @hendrix

    Ich arbeite zufällig mit “älteren” Menschen als Sporttherapeut (auch mit “Jüngeren” die irgendwelche Probleme haben). Dabei versuche ich regelmäßig bestimmte Bewegungsaufgaben, die zu einem Verständnis des eigenen Körpers führen sollen in meinen Sportgruppen und ich denke oder hoffe, die Leute nehmen tatsächlich etwas für den Alltag mit. Aber bei Leuten im gehobenen Alter spielen dann doch auch die Einschränkungen, die sich über das Leben so angesammelt haben eine große Rolle (meist durch Bewegungsmangel logischerweise). Wer Schmerzen hat, muss diesen natürlich erstmal auf den Grund gehen und “reparieren” statt sich weiter zu entwickeln und kann erst danach Bewegung als Prävention und schlussendllich als Lebensfreude sehen. Bei vielen ist es auch zu spät. Das liegt allerdings zu größten Teil beim Einzelnen. Diejenigen, die es schaffen sich 2 oder besser 3 Mal die Woche irgendwo hin zu bewegen (Fitti/Gruppen) oder wenigstens jeden Tag mal 10 min ihren Arsch hoch zu bewegen, um zumindest das Problem erstmal zu beheben, die kann man auch noch überzeugen, dass sie sich auch insgesamt besser bewegen können. Aber dieses Ziel haben viele schon garnicht. “Das kann ich nicht”, “Bei den Mattenübungen mache ich nicht mit, wegen den Knien/weil ich dann nicht mehr hoch komme”. JA, WENN IHR NICHT MEHR RUNTER GEHT KOMMT IHR NICHT MEHR HOCH! (natürlich netter umschrieben). Ich denke, dass viele sich abgeschreckt fühlen, wenn sie Videos mit “Tricks” und krassen Moves sehen, die für jemanden mit diesem Körperbewusstsein erstmal unmöglich erscheinen. “Was soll das sein? Ich bin doch kein Leistungssportler”, “Das kann ich nicht”, “Ich bin doch keine 20 mehr”. Wenn ich jetzt Movement auf ältere Menschen, die vielleicht 20-40 Jahre lang keinen Sport gemacht haben, beziehe, dann sehe ich nur die alltagsrelevanten Sachen, wie das Bewegen am Boden, verschiedene Arten effektiv aufzustehen und sich hinzusetzen/legen, Grundlegende Stützkraft in den Armen, um sich vom Stuhl hoch zu drücken, ein gutes Gleichgewicht und Rumpfkraft- und kontrolle. Hocken geht bei vielen nicht und wird auch niemals gehen. Dafür sind die Knie und Hüften schon zu kaputt. Aber was geht, ist immer wieder neue Bewegungserfahrungen zu geben, die man auf den Alttag beziehen kann. Die Reaktionen sind zu 70 % positiv. Wer es beim ersten Mal nicht versteht, warum das Sinn macht, der tut es beim 2. oder 3. Mal. Aber machen muss man es am Ende selbst. Ich denke dass alle die sich des “Movens” bezeichnen nicht nur in eine Sportgruppe gehen und dem Trainer lauschen, um sich 60 Minuten mit Bewegung zu beschäftigen und die restlichen 167 Stunden der Woche nicht. Dafür fehlt bei vielen das Verständnis, bei anderen der Wille, etwas zu verändern.
    Andererseits sehe ich auch viele ältere Menschen bei uns im Verein, die unglaublich aktiv und wissbegierig sind. Die vielleicht 3 Mal pro Woche verschiedene Sportgruppen besuchen, Tanzen, Schwimmen und die Wirbelsäulengruppe zum Beispiel. Die würde ich tatsächlich schon als “Mover” bezeichnen, denn sie versuchen, immer wieder etwas Neues zu lernen und mit dem, was sie noch so am Körper haben, klar zu kommen und Spaß zu haben. Dafür muss man keinen Handstand können. Manche haben auch ihr ganzes Leben lang Sport getrieben und haben dadurch eine unglaublich schnelle Auffassungsgabe, bei anderen dauert es 10 Mal so lang. Manche konnten früher die Splits oder waren Akrobaten, aber konnten das sportliche Pensum aufgrund von Zeit oder körperlichem Verfall nicht halten. Ein junger Mensch lernt definitiv schneller und auch ich habe es mit meinen 32 Jahren wahrscheinlich schwerer, als ein 20-Jähriger. Ganz zu schweigen von Kindern und Jugendlichen. Die könnten einen Handstand in wenigen Tagen bis Wochen lernen. Bis 50 habe ich noch Zeit mich zu steigern, aber in meiner Jugend bis 29 habe ich mich definitv zu wenig bewegt. Zwar verschiedenes ausprobiert habe, aber nichts konsistent. Wenn man mit 50 erst anfängt, braucht man für jeden neuen Move (und damit meine ich schon sowas wie eine isolierte Beckenkippung) viel länger, sowohl im Bezug auf körperlichen Voraussetzungen, als auch die Mentalen. Bei denen muss man niedrigschwelliger ansetzen, um überhaupt erstmal etwas regelmäßig zu machen.
    Was ich damit meine ist, dieses “Movement-Ding” ist zur Zeit noch sehr begrenzt auf Menschen die tatsächlich immer sportlich waren, oder noch schnell lernen können. Ich denke das liegt daran, dass man doch ein bisschen verschlossen ist gegenüber den weniger Sportlichen. Die Reichweite ist gering, weil man von außen garnicht alles fassen kann, was Movement bedeuten kann und nur die Skills und Tricks sieht. Meine Mutter macht jetzt jeden Morgen Yoga und hockt regelmäßig mit ihrem Freund im Wohnzimmer, der btw. mit Animal Movements angefangen hat (analog über so ein Heft mit Seiten versteht sich). Und mein Vater macht mit 60 wieder Klimmzüge und Liegestütze und nicht nur “Figurtraining”. Also: spread the message! Man hängt selbst auch immer zu viel in den Gruppen herum, die sich schon bewegen können. Überlegt euch, wie ihr euer Wissen für die Allgemeinheit oder wenigstens eure Nächsten nutzen könnt.

    #11557
    André Lerner
    Teilnehmer
    @damnmovement

    @caro ich glaube was viele Menschen abhält sich mit Bewegung zu beschäftigen ist auch das sie Bewegung mit Sport gleichstellen und somit mit Wertung. So denken viele und auch junge Menschen: Ich bin schlecht darin daher mach ich es nicht. Nur verstehen die wenigstens das genau dort das meiste Potential liegt. Wir sind heutzutage so sozialisiert dass wir nur Erfolg suchen und das schnell… einfach Leistungsgesellschaft + Angst vor Misserfolg

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