MOVISION MOVEMENT
Professor Franz über Fortschritte und Motivation

Professor Franz über Fortschritte und Motivation

Was motiviert einen eigentlich überhaupt zu trainieren und gar weiterzumachen?

Sind es einzig und allein die Fortschritte?

Was sind überhaupt Fortschritte? Zählen darunter nur neu gelernte Bewegungen, eine Wiederholung mehr oder ein paar Sekunden mehr im Handstand zu stehen? Alle diese vermeintlichen Fortschritte vereint vor allem eines: Messbarkeit. Auch wenn das ein wichtiges Werkzeug sein kann, um das eigene Training zu beurteilen, so sind bei weitem nicht alle Fortschritte messbar. Und nicht jeder messbare Fortschritt muss positiv sein.

Das mag erstmal widersprüchlich klingen. Doch wenn man versucht, seine Bewegungspraktik breit gefächert und möglichst generalistisch zu gestalten, dann kann man nicht in jede Richtung so lange trainieren, bis sich messbare Fortschritte zeigen!

Jonglieren eignet sich sehr gut als Beispiel eines solchen Lernprozesses: Auf dem Weg zur Jonglage mit drei Bällen – sei es sehr strukturiert mit spezifischen Progressionen oder ganz allgemein durch üben –  kommt es immer wieder zu Erfolgserlebnissen. Doch nicht immer sind Fortschritte offensichtlich – der Weg bis zum erfolgreichen Jonglieren mit drei Bällen ist lang. Über die Zeit verbessert sich die Augen-Hand-Koordination, die Trefferquote, die Präzision im Werfen und das richtige Timing beim Fangen der Bälle. Sogar der Umgang mit schlechten Würfen oder schlecht gefangen Bällen sind „Fähigkeiten“, die sich über die Zeit verbessern.

Doch um diese als Fortschritte zu erkennen, benötigt es unter anderem: Die Kenntnis solcher Fähigkeiten, das Zerlegen des Weges in kleine Schritte („Progressionen“) und vor allem einen Weg, sie zu testen. Denn ein messbarer Fortschritt wird dadurch bemerkbar, dass man weiß, wie „gut“ man zu einem bestimmten Zeitpunkt war und wie viel besser man zu einem späteren Zeitpunkt ist.

Es mag philosophisch klingen, aber ist ein Fortschritt nur dann da, wenn man ihn getestet oder gar gemessen hat?
Und kann ein Fortschritt nicht auch erfolgt sein, dessen man sich einfach nur nicht bewusst ist? Können sich nicht alle Faktoren im Beispiel des Jonglierens verbessert haben und trotzdem seid ihr noch(!) nicht in der Lage, erfolgreich mit drei Bällen zu jonglieren?

Andererseits könnte man um vermeintliche Kraftdefizite für Ring-Muscle-Ups auszugleichen Klimmzüge und Dips trainieren. Ja – es wäre ein messbarer Fortschritt, wenn man bestenfalls in beiden Übungen ein höheres Volumen, sprich mehr Wiederholungen schafft. Doch was ist, wenn Kraft gar nicht das Problem, sondern mangelnde Technik der Grund für das Scheitern bei der Ausführung des Muscle-Ups ist? So kann man sich schnell auf der Jagd nach offensichtlichen Fortschritten in eine „falsche“ Richtung verirren.

In den letzten Wochen unseres MOVISION MOVEMENT Community Trainings hier in Berlin sind wir Stück für Stück weg vom Training stark messbarer Bewegungen gegangen und haben die Inhalte stärker variiert. Wir übten beispielsweise unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten mit sich zyklisch verändernden Bewegungsqualitäten. Die MOVISION-Mitglieder führten die Übungen in Einzel- oder Partnerarbeit aus. Es entstand eine noch stärkere Gruppendynamik mit unglaublichem Engagement und Enthusiasmus in unserer Movement-Community. Wie sehen nun die Fortschritte aus? Obwohl einige Bewegungsmuster seltener geschult und geübt wurden, berichteten immer wieder MOVISION-Mitglieder von ihren Erfolgserlebnissen und Momenten, in denen überraschenderweise neue Bewegungen möglich waren. Mit dem Fokus auf verschiedene Bewegungsqualitäten nimmt man Übungen oft anders war, wodurch Mobilität, Kraft oder Balance unbewusst mit geschult werden.

Für noch mehr MOVEMENT Wissen folgt Franziskus Hielscher auf Instagram: richtigerfranz

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