Ein Kampfkünstler aus New York bei den “Movement-Mönchen” in Berlin

Ein Kampfkünstler aus New York bei den “Movement-Mönchen” in Berlin

Eine Woche nach unserem Umzug in das neue Haus kam Tristao Azor (@somatrist) angeflogen – direkt aus den USA ins MOVISION Haus nach Lichtenrade. Er hatte Manuel Werling (und darüber auch Movision) auf Instagram gefunden und wollte uns und unser Leben kennenlernen. Du kannst dir sicher vorstellen, dass dabei Welten aufeinander geprallt sind. Ein 23-jähriger Model/Schauspieler/Schriftsteller, aufgewachsen auf den Straßen New Yorks, zu Besuch in einer bunten Movement-Community in Berlin. Er kommt aus einer Welt, in der Omas in der U-Bahn verprügelt werden und jeder für sich lebt. In unserer Community hat er hingegen das erste Mal richtige Gemeinschaft erfahren. Durch diesen Kontrast ergaben sich in den 3 Wochen seines Aufenthalts viele interessante Gespräche und Ereignisse, aus denen sowohl er als auch wir sehr viel lernen und mitnehmen konnten.

Das Interview mit Tris über seine Zeit bei uns findest du auf unseren YouTube-Kanal.

So fand Tris zu Movement und damit zu MOVISION:

Tris erster Sport war Leistungsschwimmen. Schon mit 5 Jahren nahm er an Wettbewerben teil. Mit 12 Jahren hatte er dann erstmal die Nase voll davon und machte eine Pause vom Leistungssport. Bis er 17 Jahre alt wurde und von Martial Arts begeistert wurde – er fing mit Kickboxing an und machte dann mit Krav Maga weiter. Doch in seinem Training ging es immer sehr ernst zu und Tris wollte vor allem spielerisch Sport treiben, statt ständig vom Leistungsgedanken getrieben zu werden. Deshalb war auch das nicht “das Wahre” für ihn. Dazu kam, dass er während seiner Zeit als Krav Maga Trainer körperliche Probleme durch einen Geburtsfehler bekam und eineinhalb Jahre nicht einmal laufen konnte. Er verlor 16 kg und war nicht in der Lage sich richtig um sich zu kümmern. Als jemand, der bereits seit er 12 Jahre alt war, auf sich allein gestellt war, war dies ein wichtiger Einschnitt in seinem Leben. Während eines Jahres voller Operationen, entschied er sich, seine Reha selbst in die Hand zu nehmen. Mit Bodyweight-Übungen schaffte er es, seine Arme und Beine wieder soweit zu kräftigen, dass er sie normal benutzen konnte. Danach entschied er sich Personal Trainer zu werden, um anderen bei diesem Prozess helfen zu können, den er allein durchgemacht hat.

Von der “Movement-Szene” und Ido Portal hatte Tris schon 2013 erfahren und wollte seither eine Movement Community finden, von der er lernen konnte. Besonders in der Zeit, in der er nicht laufen konnte, wurde ihm klar, dass er diese Welt auf jeden Fall kennenlernen musste, wenn er sich wieder bewegen konnte. Über Instagram fand er Manu und damit auch uns, verfolgte uns eine Weile und nahm Kontakt zu Manu auf. Als er genug Geld zusammen hatte für den Flug, buchte er kurzerhand ein Ticket und kam uns für 3 Wochen besuchen. So verbrachte er 3 intensive Wochen in der Movement-Welt, die er so unbedingt kennenlernen wollte – und fand genau die Bewegungsphilosphie, die ihm im Leistungssport und Kampfsport gefehlt hatten: Ein spielerischer Ansatz, ganz ohne Wettbewerb.

Zuhause trainiert vor allem allein, weil gemeinschaftliches Training in New York seinen Erzählungen nach sehr teuer ist. Zwar gäbe es auch eine Movement-Szene in New York, dabei gehe es aber vor allem um “Animal Moves”, welche als Personal Trainings oder Gruppentrainings teuer bezahlt werden wollten. Im Kontrast dazu steht bei uns das gemeinschaftliche Wachstum und das Lernen miteinander im Vordergrund – niemand ist hier der große Meister und bringt den anderen alles bei. Es war schön zu sehen, wie Tris diese Philosophie nach und nach annehmen konnte und begeistert davon war. Auch kannte er bisher nur “krasse Workouts”: Zu einer bestimmten Uhrzeit wird für eine bestimmte Zeit ein bestimmtes Training durchgeballert. Deshalb fiel es ihm zunächst schwer, sich auf unsere Herangehensweise einzulassen: Bei uns entstehen Movement Sessions eher random und ungeplant – dann können sie jedoch mehrere Stunden gehen.

Bewegung gehört bei uns einfach zum Alltag dazu.

Wenn wir am Laptop sitzen, wird zwischendurch Handstand gemacht oder gekämpft – manchmal entwickelt sich daraus eine Trainingssession, manchmal bleibt es bei einem Handstand. Wenn wir unterwegs sind, bietet uns unser Umfeld Inspiration und manchmal bleiben wir viel zu lange irgendwo “stecken”, weil wir uns in Challenges verlieren. Das alles ist jedoch immer ungeplant und ergibt sich vielmehr aus dem gemeinschaftlichen Vibe. Tris konnte sich jedoch erstaunlich schnell darauf einlassen und Gefallen daran finden. Statt auf einen “offiziellen Trainingsbeginn” zu warten, schloss er sich uns immer schneller an, wenn eine Movement Session startete. Außerdem verließ er tatsächlich maximal seine Komfortzone. Während er sich beim kämpfen mit Manu wirklich wohl fühlte, fiel es ihm schwer sich auf das Tanzen und das Community-Training einzulassen. Doch er überwand seinen “Schweinehund” und war daraufhin unglaublich begeistert davon, wie ihn diese neuen Eindrücke und Trainingserfahrungen weiter bringen können.

Eine Sache haben wir durch Tris gelernt: In den USA wird vielleicht viel mehr über Geldwert geregelt, wohingegen bei uns Respekt, Offenheit und Ehrlichkeit als Gegenwert dienen. Tris wollte uns die ganze Zeit etwas zurückgeben, war gleichzeitig zunächst nicht bereit, sich unserer Trainingspraxis vollständig zu öffnen. Nach mehr als einer Woche hatte er aber verstanden, womit er uns am meisten zurückgeben kann: Nicht durch Geld oder sein Wissen, sondern dadurch, dass er sich ohne zu urteilen öffnet und wir miteinander trainieren und wachsen können.

Er beschrieb uns als “Movement-Mönche”, die anderen Menschen durch Bewegung helfen wollen. 

Wir haben uns viel zu schnell daran gewöhnt, Tris mit seinem Schauspieltalent und seiner starken Energie bei uns im Haus zu haben. Auch uns hilft es Besuch zu bekommen, und so den Blick von außen zu verstehen. Und jeder, der sich uns öffnet, wird schnell ein Teil der Familie. Umso schwerer war es Auf Wiedersehen zu sagen – denn nach New York ist es schließlich um einiges weiter als beispielsweise nach München. Wir halten aber immer noch Kontakt mit ihm und hoffen, ihn wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Er trainiert weiterhin viele Dinge, die wir ihm gezeigt haben – alles verfolgen kannst du auf Instagram: @somatrist.

 

 

Alle Bilder von unserem Fotografen Devin (@genesis01).

Wenn du auch bei uns leben und von uns lernen möchtest, findest du hier mehr Informationen: Schule der Bewegung.

 

 

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