Eine feste Zahl gibt es nicht, und fertig wirst du nie. Wie schnell du Stand, Deckung und die ersten Schläge sauber kannst, hängt von deinem Körpergefühl und davon ab, wie schnell du Neues aufnimmst. Sicher ist nur: In zwei Wochen lernt niemand boxen. Wer zwei- bis dreimal pro Woche trainiert, sieht nach rund drei Monaten deutlich, dass die Technik sauberer sitzt.

Das sagt Andy Schmidt, nationaler Boxmeister und seit über 20 Jahren im Kampfsport. Er trainiert den Boxkurs bei MOVISION in der Fight Cave in Berlin-Mariendorf, dienstags und freitags, und dort kommen immer wieder Leute dazu, die bei null anfangen.

Warum es keine feste Zahl gibt

Andy hat in seinen Kursen gesehen, wie unterschiedlich Menschen lernen. Der eine hat schon ein gutes Gefühl für seinen Körper, der andere muss erst lernen, wo seine Füße stehen. Der eine versteht eine Erklärung sofort, der andere braucht drei Anläufe. Darum gibt er keine Wochenzahl vor:

„Das kann man nie pauschal sagen. Am besten ist man nie fertig mit dem Lernen.“

Das klingt erst einmal unbefriedigend, nimmt dir aber Druck. Beim Boxen geht es nicht darum, irgendwann einen Haken dranzumachen, sondern darum, Woche für Woche ein Stück sicherer zu werden.

In welcher Reihenfolge du boxen lernst

Bei Andy steht am Anfang immer dasselbe, und in der Mitte und am Ende auch:

„Bei mir sind immer Basics, danach Basics. Und wenn wir Basics gemacht haben, nochmal Basics.“

Basics heißt: Grundstellung, Deckung, Footwork und die einzelnen Schläge, so lange, bis sie ohne Nachdenken sauber kommen. Darauf baut der Rest auf:

  1. Basics. Stand, Deckung, Beinarbeit, Schlagtechnik. Das bleibt in jedem Training Teil, auch für Fortgeschrittene.
  2. Sandsack und Kraft. Hier übst du, die Technik mit Druck und über mehrere Runden sauber zu halten.
  3. Partnerarbeit. Irgendwann arbeitest du mit einem Partner, am Anfang meistens mit Andy selbst. Wann das so weit ist, hängt davon ab, wer an dem Tag da ist und wo du stehst.

Sparring gehört nicht zwingend dazu. Es ist bei MOVISION freiwillig, und hartes Sparring gibt es in Andys Kursen nicht.

Woran du merkst, dass du weiter bist

Fortschritt kommt beim Boxen selten mit Ansage. Oft ist es eine Kleinigkeit, die der Trainer etwas anders erklärt, und plötzlich passt es:

„Das kann in jeder Stunde passieren. Etwas anders erklärt gibt manchmal so einen kleinen Klickmoment, und dann sieht man direkt: Okay, jetzt hat er es verstanden.“

Und dann gibt es das Gefühl, das viele Anfänger verunsichert: Es geht nicht mehr voran, die Basics werden langweilig. Genau das ist laut Andy oft das gute Zeichen.

„Wenn man das Gefühl hat, dass man gerade nicht weiterkommt, ist man oft an dem Punkt, wo sich die Basics verfestigt haben und man einen Schritt weitergehen kann. Also fast, wenn man das Gefühl hat, dass es langweilig wird.“

Wenn dir der Jab also irgendwann langweilig vorkommt, hör nicht auf. Wahrscheinlich sitzt er gerade.

Fitness-Boxen oder richtig boxen lernen?

Viele Fitnessstudios bieten Boxkurse an. Das ist etwas anderes als ein Boxtraining, in dem du die Technik lernst:

  • Fitness-Boxen ist viel Ausdauer, viel einfach schlagen, sich auspowern und Spaß haben.
  • Boxen bei MOVISION macht auch Spaß, ist aber deutlich technischer: mehr Grundlagen, mehr Footwork, mehr Basics.

Wenn du dich nach der Arbeit vor allem auspowern willst, kann ein Fitnessboxkurs reichen. Wenn du wirklich boxen können willst, also wissen, wie du stehst, schlägst und dich deckst, brauchst du ein Training, das sich Zeit für die Technik nimmt.

Was Anfänger am meisten bremst

Andy sieht immer wieder dieselben drei Bremsen:

  • Zu viel Nachdenken. Das bremst laut Andy am meisten. Boxen lernst du durch Wiederholen, nicht durch Grübeln.
  • Zu viel Zuschauen. Mitmachen bringt mehr, als am Rand zu stehen und zu vergleichen.
  • Zu viel wollen. „Dass man in zwei Wochen boxen können will. Das wird niemals funktionieren.“

Alles, was du noch nicht kannst, musst du erst lernen, und Lernen kostet Zeit. Wer das akzeptiert, kommt meistens schneller voran als der, der jede Woche einen Sprung erwartet.

Bringt es was, zu Hause zu üben?

Ja, sagt Andy, und er findet es sehr gut, wenn jemand mehr machen will. Aber in der richtigen Reihenfolge:

„Man sollte sich erst mit der Klarheit der Bewegung beschäftigen, anstatt wild irgendwie zu hauen, falsch zu schlagen und sich Fehler anzutrainieren, die man dann schwieriger rausbekommt, als gleich sauber zu lernen.“

Für zu Hause heißt das: Übe das, was du im Training gelernt hast, langsam und sauber vor dem Spiegel oder am Sandsack. Neue Techniken aus Videos lernst du besser erst im Training, wo jemand drauf schaut.

„Alles, was man extra trainiert, ist Training. Zweimal die Woche kann für den einen oder anderen zu wenig sein.“

Wie oft pro Woche du trainieren solltest

Andy empfiehlt Anfängern zwei- bis dreimal pro Woche. Seltener ist die Pause zwischen zwei Trainings zu lang, und du fängst jedes Mal fast von vorn an. Bei MOVISION boxt du dienstags und freitags von 17:00 bis 18:30 Uhr. Wer öfter will, kombiniert das mit Muay Thai oder Defense oder kommt samstags zum Open Mat. Mit einer Mitgliedschaft für zwei oder drei Trainings pro Woche zahlst du ab 60 € im Monat, eine einzelne Einheit kostet 20 €.

Geht es mit Kampfsport-Erfahrung schneller?

Ja, das hilft auf jeden Fall. Wer schon Muay Thai, Kickboxen oder einen anderen Kampfsport gemacht hat, bringt vieles mit, was Anfänger erst lernen müssen: Distanzgefühl, eine Grundstellung, Gleichgewicht.

„Viele Kampfsportarten haben sehr ähnliche Prinzipien und Grundlagen.“

Darum mischen sich die Kurse bei MOVISION auch: Viele boxen dienstags und freitags um 17:00 Uhr und gehen direkt danach zum Muay Thai. Was die beiden Sportarten unterscheidet, steht im Ratgeber Muay Thai oder Kickboxen.

Was nach ein paar Monaten passiert

Eine feste Zahl gibt Andy nicht, aber eine klare Beobachtung:

„Ich sehe das bei allen, die bei mir trainieren, dass sie wachsen.“

Nach etwa drei Monaten sitzt die Technik bei den meisten deutlich sauberer, und das Selbstvertrauen wächst mit. Was sich in dieser Zeit sonst verändert, beschreibt Andy im Ratgeber Kampfsport anfangen als Erwachsener. In seinem Defense-Kurs sieht er außerdem, dass die Leute mutiger werden, beim Zuschlagen, Verteidigen und Durchhalten. Am wichtigsten ist ihm aber etwas anderes:

„Einen Ort zu haben, der den Leuten guttut, wo sie was mitnehmen können und ein gutes Gefühl damit haben. Das ist für mich das Allerwichtigste.“

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, Boxen zu lernen?

Eine feste Dauer gibt es nicht, sie hängt von Körpergefühl und Auffassungsgabe ab. In zwei Wochen lernt es niemand. Wer zwei- bis dreimal pro Woche trainiert, merkt nach rund drei Monaten, dass die Technik deutlich sauberer sitzt. Ganz fertig ist man beim Boxen nie.

Was lernt man als Anfänger beim Boxen zuerst?

Die Basics: Grundstellung, Deckung, Footwork und die einzelnen Schläge. Danach kommen Sandsack, Kraft und irgendwann Partnerarbeit. Die Basics bleiben in jedem Training Teil.

Kann man Boxen zu Hause lernen?

Zu Hause üben bringt etwas, ersetzt aber kein Training. Übe vor allem das, was du schon sauber kannst. Wer ohne Anleitung wild drauflos schlägt, trainiert sich Fehler an, die später schwer wieder rausgehen.

Ist Fitness-Boxen dasselbe wie Boxen lernen?

Nein. Fitness-Boxen setzt auf Ausdauer und Auspowern. Im Boxtraining bei MOVISION stehen Technik, Grundlagen und Footwork im Mittelpunkt. Spaß machen beide.

Lerne ich schneller, wenn ich schon Muay Thai gemacht habe?

Ja, das hilft. Distanzgefühl, Grundstellung und Gleichgewicht bringst du schon mit, weil viele Kampfsportarten ähnliche Grundlagen haben.

Fang mit dem ersten Training an

Boxen lernst du nicht beim Lesen. Komm dienstags oder freitags um 17:00 Uhr in die Fight Cave, Großbeerenstraße 2-10, Haus 4, 12107 Berlin, direkt neben der Südbloc Boulderhalle. Dein erstes Training ist kostenlos, Handschuhe kannst du leihen. Schreib uns vorher kurz per WhatsApp, dann weiß Andy, dass du kommst.

Mehr über Andy findest du in seinem Profil.